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Spielberichte
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30.10.2004 Vålerenga - Stabæk 3:0 |
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Das letzte Spiel dieser Saison. Und die letzte Möglichkeit für Stabæk, sich aus der Abstiegszone zu retten. Und die Riesenchance für Vålerenga bei einem Sieg (und gleichzeitiger Niederlage Rosenborgs) noch Meister zu werden. Ein echtes Schicksalsspiel also - für beide Vereine. Unsere Herzen schlugen jedoch nur für Stabæk an diesem Tag. Was bedeutet schon der Meistertitel, wenn unsere Jungs ums Überleben kämpfen? Nach einer kurzen Nacht auf der Fähre und einem Frühstück bei Richard ging es Samstag mittags gleich ins Onkel Blaa. Ein paar Biere vorab, etwas reden und sich mental auf das Spiel einstimmen. Komischerweise waren wir Deutschen alle sehr ruhig (durch St.Pauli an diese elendigen Abstiegskämpfe gewöhnt?), während unsere Norweger vor Aufregung, Angst und Nervosität bald platzten. Endlich ging es dann los zum Ullevaal. Das Stadion war mit 23.591 Zuschauern ausverkauft, und die Stabækspieler erwartete eine Hölle von knapp 22.000 siegeshungrigen, singenden VIF Fans. Ob unsere mitgereisten Fans (kümmerliche 1500) dagegen halten könnten? |
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Vorm Stadion erwarteten wir die Bochumer, die ebenfalls spontan angereist waren, um unsere Lieblinge zu unterstützen. Und so in direkter Nähe zum Stadion überfiel uns dann auch die Nervosität und Aufregung. Als alle da waren, ging es schnell rein. Plätze suchen und etwas von der famosen Stimmung mitbekommen. OK, die Vålerengafans waren lauter, aber es waren ja auch einfach mehr. Und ihre Choreo war natürlich auch riesig, aber es war ja auch ihr Heimspiel, und sie erwarteten einfach einen Sieg und eine anschliessende Meisterfeier. Wir hingegen gaben uns einfach nur Mühe, unsere Jungs wissen zu lassen, dass wir da sind. Und mit der super Overheadflagge mit Stabæklogo konnte auch dem blindesten VIF Fan nicht entgehen, dass wir da waren :-) |
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Endlich Anpfiff. Árni Gautur Arason, Nationaltorhüter Islands und VIF Keeper, steht in der ersten Halbzeit auf unserer Seite, und ich überlege noch, ihm unten vom Spielfeldrand ein paar isländische Schimpfworte entgegen zu brüllen, damit er verwirrt ist und Fehler macht, doch meine gute Erziehung lässt das nicht zu. Das Spiel verläuft anfangs recht schleppend, keiner will den ersten Schritt nach vorne wagen. Nach kurzer Zeit ergreift Vålerenga jedoch die Initiative , scheitert allerdings an unserer Abwehr. Fast schon ein wenig erleichtert stehe ich da, als es nach über 25 Minuten noch immer 0:0 steht. Doch zu früh gefreut...Angriff Vålerenga, Schuss von Wæhler - Tor. 1:0 für Vålerenga. Mist. Hoffentlich verlieren unsere Jungs jetzt nicht die Nerven. Und hoffentlich schaffen sie den Ausgleich noch vor der Pause. Doch nach dem VIF Tor passiert dann allerdings nicht mehr viel, es gibt viele hohe unpräzise Bälle und ungerichtete Angriffe. |
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Pause. Zeit um etwas Luft zu holen. (Oder sich einen grossen Schluck aus dem mitgebrachten Flachmann zu genehmigen...) Die zweite Halbzeit beginnt mit sehr viel mehr Power und Engagement. Unsere Jungs haben in der Kabine offenbar ein paar deutliche Worte zu hören bekommen. 15 Minuten lang stürmen sie auf das Tor von Arason, jedoch ohne Erfolg. Warum haben wir bloss keinen Stürmer der trifft? Dann ist das Aufbäumen unserer Blauen auch schon zu Ende. Vålerenga hat sich erholt, reisst das Spiel an sich. Unsere Verteidiger fangen an, Fehler zu machen, das Mittelfeld kriegt den Ball nicht weiter als bis knapp über den Mittelkreis. Das sieht alles nicht gut aus. Einziger Lichtblick ist noch, dass Rosenborg führt, und somit Meister würde. Unseren Jungs hilft das alles aber nicht. |
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Stabæk hat offenbar den Ernst der Lage nun vollends erkannt, und unsere Spieler geben alles. Um jeden Ball wird gekämpft, es wird geboxt, geschubst, getreten, das eine oder andre Mal fliesst sogar etwas Blut. Doch Vålerenga hält mit, und im Treten und Boxen sind die Mannen unter Kjetil Rekdal einfach besser geschult. Besonders Morten Berre (Ex St.Pauli...) fällt durch sein grobes Agieren auf. Nicht sehr sympathisch, der Mann. Knapp 15 Minuten vor Schluss brechen bei unseren Jungs dann alle Dämme, nichts klappt mehr. Wir sehen ihnen förmlich die Wut und Verzweiflung an. Doch mit Wut und Verzweiflung kann man nicht überlegt spielen. Vålerenga hat unsere Verteidigung geknackt, spielt lässig immer wieder über links locker an Morten, Muri, Mike und Sammy vorbei, und hat letztendlich mit dieser Taktik auch Erfolg. In der 81. Minute rasselt das 2:0 für Vålerenga bei Jon Knudsen ins Netz. Und nicht genug damit, in der 83. Minute kullert der Ball nach vielen Irrungen und Wirrungen im Stabæk Strafraum noch einmal bei Jon ins Netz. Das wars dann wohl... Die letzten regulären 7 Minuten vergehen im Fluge, Stabæk versucht zu kontern, Vålerenga stoppt leichtfüssig jeden Versuch. Eigentlich kann der Schiri nun abpfeifen. Wir wollen das Drame und Elend nicht mehr sehen. Doch er gibt 4 Minuten Nachspielzeit. Ich ahne böses...kommt jetzt noch das 4:0? Nein zum Glück nicht. |
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Endlich dann der Abpfiff. Irgendwo weiter weg im Stadion jubeln die VIF Anhänger, während bei uns im Block für einen Moment Todesstille herrscht. Dann aber berappeln sich alle und singen aus vollem Herzen für unsere Jungs. Die wiederum haben den offensichtlich schwersten Gang vor sich. Ein schniefender Andre Muri, ein weinender Christian Holter, ein völlig zerstörter Martin Andresen und viele andere den Tränen nahe Spieler schleppen sich in unsere Kurve und applaudieren ihren ausdauernden Fans. |
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Am liebsten möchte jetzt wohl jeder über die Bande hüpfen und die Jungs in den Arm nehmen. Nachdem unsere Spieler sich frustriert und mit den Worten des Stadionsprechers "Wir wünschen Stabæk viel Erfolg in der 2. Liga" in die Kabine zurückziehen, machen wir uns daran, unsere in Tränen aufgelösten norwegischen Freunde zu trösten. Im Onkel Blaa angekommen, gibt es erstmal Frustsaufen für alle. Hier und da fliessen noch ein paar Tränen, und einige diskutieren das Spiel. Die meisten aber lassen einfach nur die Köpfe hängen. Kein wirklich schöner Abend. Lobenswert aber, dass sich am späteren Abend noch einige Spieler sehen lassen. Wie Schafe auf dem Weg zur Schlachtbank trotten sie heran, und scheinen regelrecht Angst zu haben, das Onkel Blaa zu betreten. Kurzerhand stellen sich alle Fans vorm Onkel Blaa auf und beginnen für die Spieler zu singen. Als dann Spieler und Fans aufeinandertreffen, gibt es ein gegenseitiges Umarmen und Trösten. Sehr bewegend und auf eine gewisse Art und Weise auch eine schöne Sache. Wir machen ein paar Fotos mit diversen Spielern, unterhalten uns nett mit Tom, Morten und Christian und haben dabei überhaupt nicht das Gefühl, mit Spielern zu reden, sondern einfach nur mit Leuten, die eben gerade genau das gleiche erlebt haben wie wir. Danke an Mike, Morten, Andre, Jon, Tom, Tommy, Inge Andre und Christian, für euren Besuch im Blaa. Und Danke an das ganze Team, auch wenn diese Saison elendig war, ihr wart und bleibt unsere Lieblinge! |
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