Unser letzter "richtiger" Tag in Oslo stand vollkommen unter
dem Motto Fussball. Mittags gegen 11.30 Uhr machten wir uns via Bus und
U-Bahn auf nach Bekkestua, um in der Fankneipe von Stabæk, dem Onkel
Blaa, das WM Finale zu sehen. Kurz vor 13.00 Uhr öffneten sich die
Türen, und wir und alle anderen wartenden wurden eingelassen. Gleich
einen Tisch dicht bei der Leinwand sichern und Bier bestellen. Nach und
nach wurde es ganz ordentlich voll, auch einige Kristiansand-Fans trafen
ein, alle schon ziemlich bierselig - wie üblich für Auswärtsfans
;-)
Tja, was soll ich gross zum WM Spiel sagen? Die anwesenden Norweger waren
für Brasilien, bis auf einen einzigen, der Deutschland als Weltmeister
getippt hatte, und deshalb für unsere Landsleute hoffte. Die Deutschen
spielten erstaunlich gut, schnell und sehr nach vorne orientiert, die
Brasilianer waren aber torgefährlicher. Nur durch Glück gab
es nicht schon früh ein Tor für Brasilien. Nach 90 Minuten Hoffen,
Bangen und Beten auf deutscher Seite, und viel Jubel auf brasilianischer
Seite ging die Weltmeisterschaft 2002 mit einem 2:0 für Brasilien
aus. Die Deutschen schlichen geknickt und traurig vom Platz, die Brasilianer
feierten in einem grossen Kreis ihren Titel.
Nach der Siegerehrung gönnten wir uns erstmal ein neues Bier und
setzten uns vor dem Laden in die Sonne. Einige Stabæk Fans waren
auch schon da und wir kamen so langsam ins Gespräch. Es ging um den
ASTRA Cup im Januar, um die Spieler von Stabæk und was wir so alles
in Norwegen erlebt hatten. Wirklich ein schönes Gefühl, mit
Gleichgesinnten über seinen Lieblingsverein zu reden und sich gemeinsam
auf das Spiel zu freuen. 6 Monate hatte ich "meine" Jungs in
Blau nur via Internet beobachten können, und heute konnte ich sie
endlich mal in echt und in Farbe sehen! Sogar ein Trikot hatte Richard
mir geschenkt. Zum einen aus praktischen Gründen, denn mit Trikot
gabs das Bier für günstige 39 kr, zum anderen, damit ich dann
auch entsprechend ausgerüstet das Stadion betreten konnte. Er hat
sich auch noch dafür entschuldigt, dass er keines mit einer "10"
drauf hatte
dabei war ich schon selig, überhaupt ein Trikot
zu bekommen! Das da nun nicht Marels Rückennummer drauf war, machte
mir absolut nichts aus.
Einige kurze Regengüsse und mehrere Biere später machten wir
uns auf zum Stadion, ausgerüstet mit einer Sesongkarte für die
Supporter Stehplätze. Voll war es nicht wirklich, was daran lag,
dass Kristiansand der Tabellenletzte ist und wegen der Ferien viele schon
im Urlaub waren. Mir wars egal. Ich hatte auch mit den anwesenden 2748
Fans Spass.
Die Start Fans waren so wenige, dass sie mit bei den Stabæk Fans
in die Kurve durften. Rivalitäten und Aggressionen wie sie bei uns
unter den Fans verschiedener Klubs herrschen, sind in Norwegen so gut
wie unbekannt. Im Stadion wird sich zwar angeschrien und für die
eigene Mannschaft nach Leibeskräften gebrüllt, aber vor und
nach den Spielen wird gemeinsam gefeiert und wenn es drauf ankommt, halten
eigentlich auch alle Fans zusammen. Nicht mal eine Eingangskontrolle gab
es, Polizei und Security waren, wenn überhaupt, nur im Hintergrund
anwesend.
Klockschlag 18.00 Uhr war Anpfiff. Als Startelf gingen aufs Feld: Jon
Knudsen, Mike Kjølø, Christian Wilhelmsson, Christian Holter,
Peter Sand, Thomas Finstad, Inge Andre Olsen, Tommy Stenersen, Andre Muri,
Tryggvi Gudmundsson, Martin Andresen.
Und Stabæk legte gleich ordentlich los: 4. min das 1:0 durch Thomas
Finstad, 6. min. das 2:0 von Christian Holter. So schnell konnten wir
gar nicht gucken wie hier die Tore fielen. Kristiansand wirkte nach den
beiden Gegentreffern schon völlig mutlos und schlich nur noch übers
Feld. Unsere Jungs in Blau spielten hingegen lockeren Fussball und schienen
rechten Spass an der Sache zu haben. Auch wenn so einige Flanken und Schüsse
ziemlich daneben gingen. Nach 30 min. gabs von Tryggvi das 3:0, und 6
min. später legte Thomas Finstad das 4:0 drauf. Erstaunlich! So viele
Tore habe ich bei Pauli schon lange nicht mehr gesehen!
Bis zur Pause passierte dann nichts mehr. In der Pause ging es zum Eis
holen. Buntes Fruchteis schien der Renner zu sein. Merkwürdige Sache,
aber was will man als Fan machen, wenn es kein Bier im Stadion gibt?
In der zweiten Halbzeit ging "Bærums Stolthet" ein wenig
gedämpfter zu Werke. Es schien, als wenn die Spieler gedanklich schon
in den Ferien waren. Einen ganzen Gang langsamer und mit viel mehr Abspielfehlern
ermöglichten sie den Jungs von Kristiansand das 1:4 in der 56. min.
Die pure Freude für mich war dann die 70. min: Mein Lieblingsspieler
Marel durfte nach einer kleinen Aufwärmrunde aufs Feld! Schade nur,
dass er sein versprochenes Tor nicht hinkriegte. Aber sein forscher Torversuch
und ein paar attraktive Sprints über den Platz waren auch schon ganz
nett ;-) Stabæks "Tormaschine" Tryggvi hingegen liess
sich nicht unterkriegen und knallte in der 72. min. das 5:1 rein. Kristiansand
schaffte in der 83. min. zwar noch ein 2:5, aber letztendlich war die
Niederlage für die Gäste nicht mehr abzuwenden und, ganz ehrlich,
auch verdient. Nach dem Abpfiff verschwanden die Spieler alle ziemlich
fix in die Garderobe (keine Jubel LaOla
), nur Marel lief zu ein
paar Fans und redete mit ihnen. Die Chance liess ich mir nicht engehen
und machte mich auf den Weg zu ihm. Und so gab es dann noch ein Abschiedsfoto
von mir mit einem nassen Isländer im Arm und einer grünen Mülltonne
vor den Füssen.
Zurück gings ins Onkel Blaa, ein paar weitere Biere geniessen und
das Spiel besprechen.
Am besten hatten mir ja Martin Andresen (sehr wendig und schnell mit dem
Ball), Christian Wilhelmsson (geht auf den Mann und bringt den Ball gut
und schnell nach vorne) und Peter Sand gefallen (ein echter Kämpfer,
gibt keinen Ball verloren und hängt sich richtig rein) gefallen.
Tryggvi steht ausser Frage, mit 9 Toren ist er nicht zu toppen.
Lustig waren auch die Stabæk Songs, die gespielt wurden. Viele der
Lieder gibt es auch bei Pauli, nur eben mit einem anderen Text - da mussten
wir ganz schön aufpassen, dass wir nicht was Falsches singen ;-)
Der Kracher war aber, als wir "You`ll Never Walk Alone" hörten!
Mit einer Handvoll Stabæk Supportern ergab sich dann eine sehr nette
Runde, und wir merkten gar nicht wie die Zeit verging
Irgendwann
erspähten wir Peter Sand am Tisch neben uns und baten ihn um ein
Foto. Unseren Wunsch erfüllte er uns freundlich und mit einem Grinsen,
nachdem er über uns aufgeklärt worden war ("Besøk
fra St. Pauli"). Wirklich, er hat eine unglaubliche Ähnlichkeit
mit seinem Bruder Ebbe!
Gegen 23.30 mussten wir dann schweren Herzens aufbrechen, die letzte Bahn
nach Oslo erwischen. Nach über 12 Stunden in Bekkestua und mit Fussball
fielen wir zu Hause einfach nur noch müde ins Bett.
Danke an alle Stabæk Supporter, ganz besonders an Richard, für
diesen tollen Tag! Und ein Extra-Danke an die Spieler für einen so
schönen (und hohen) Sieg!
*Forza Stabæk!*
|
|
30.06.2002
13.00 World Cup Final Deutschland - Brasilien,
18.00 Stabæk - Start
Our last "real" day in Oslo was fully under
the title of football. Around midday we started our tour to Bekkestua,
first with bus, then with train. We wanted to watch the final between
Germany and Brasil. With a handfull other people we entered at a quarter
to twelve Onkel Blaa, Stabæks supporter pub. Sat down on a table
next to the TV and ordered a beer. It got quite full, more and more
people came, also some Kristiansand supporters, already a little dizzy
from having some beers before - just like all football supporters on
tour ;-)
So, what should I say about the match? The Norwegians were hoping for
Brasil, only one who bet on Germany, was hoping for our team. I was
surprised how good and fast the Germans played, but Brasil had more
chances. It was only luck that Germany didn´t get an early goal
against the own team. After 90 minutes of hoping, praying and worrying
World Championship was won by Brasil with 2:0. The Germans left the
field frustrated and sad, while Brasil started a big party.
After the ceremony we had a new beer and went out into the sun. Some
Stabæk supporters arrived and we slowly got into talk. We talked
about ASTRA Cup in January, Stabæk players and what we experienced
on our Norwegian tour. Really a nice feeling to talk to like-minded
people about his favorite club! For more than 6 months I only had followed
"my" boys in blue via internet, and this day I could watch
them live in person! Even a jersey I got from Richard! On the one hand
for the concrete reason that with a jersey you got beer for moderate
39 kr, on the other hand that I could go to the match with the right
clothes. He apologised that it didn`t has a "10" on the back
(Marels number), but that really didn`t bother me . I was so happy to
get a jersey at all!
Some short downpours and a few beers later we went down to the stadium,
with a seasonal card for getting entry to the standing places of the
supporters corner. It wasn`t really full because of vacation in Norway
and the quite unattractive match against 14-placed Start Kristiansand.
But that was no problem for me, I had fun with the 2748 supporters who
found their way down to the stadium. The Kristiansand supporters were
so less that they were allowed to stand right next to the Stabæk
supporters. Aggressions and fightings between supporter groups like
in German Bundesliga isn`t known in Norway. Supporters shout at the
opposite group while a match, but before and after the matches they
party together, and if they have to, they will stand together, no matter
which club they belong to. Security and police was in the background,
too, and we didn`t had to pass any entrance control.
At 18.00 the match started, with the following Stabæk players:
Jon Knudsen, Mike Kjølø, Christian Wilhelmsson, Christian
Holter, Peter Sand, Thomas Finstad, Inge Andre Olsen, Tommy Stenersen,
Andre Muri, Tryggvi Gudmundsson, Martin Andresen.
Stabæk had a impressive beginning, 4. min. 1:0 by Thomas Finstad,
6. min. 2:0 by Christian Holter. We couldn`t look as fast as the goals
were shot. Kristiansand seemed to be totally confused and dumped after
these 2 goals. Our boys in blue however played fresh and easily football
and seemed to have fun on the field (although some shots were really
bad
).
After 30 minutes Tryggvi set the ball in to 3:0, 6 minutes later Thomas
Finstad did the 4:0! Amazing!
That much goals I haven`t seen at Pauli for a long time! Till break
nothing more happened. While the break, nearly everyone went to get
an ice. Kind of strange thing, but what will you do when there is no
beer sale in the stadium?
Second half was much more quiet, "Bærums Stolthet" worked
less, fighted less and gave Kristiansand the chance to make the 1:4
(56. min.). Seemed that the players already were on vacation. Pure delight
started for me from the 70. min., when Marel got on the field. What
a pity that he didn`t make the promised goal. But his sprints across
the field and the one shot he tried had been nice, too ;-) Stabæks
toppscorer Tryggvi however didn`t get enough and made the 5:1 (72. min.).
Kristiansand came back and managed a 2:5 in 83. min, but the defeat
couldn`t get avoided and was deserved, I think. After the match the
players went straight back into their dressing room, only Marel talked
to some people. That was a chance for me. I went down to them and got
a last picture with a quite wet Icelandic in my arm and a big green
waste bin in front of my feet.
Back at Onkel Blaa we had some more beers and talked about the match.
I liked most Martin Andresen (he`s fast and agile with the ball), Christian
Wilhelmsson (he can move the ball fast and safe forwards) and Peter
Sand (he`s a fighter, tries to catch every ball). Tryggvi is out of
question, he`s the toppscorer.
Very funny was to listen to the Stabæk songs. Nearly all songs
they played I knew from St. Pauli, only with other lyrics (we really
had to be careful not to sing the wrong words ;-).
Best of all was when they played "You`ll Never Walk Alone".
With a nice bunch of supporters we had a long talk and didn`t recognize
how the hours went by
Sometime later we saw Peter Sand and asked
him for a picture. Friendly and with a smile on his face, after he knew
where we were from ("Besøk fra St. Pauli"), he let
us take some fotos.
Around 11.30 we had to leave to catch the last train to Oslo. After
12 hours in Bekkestua and with football we fell into our beds at home
and had a long sleep.
Thanks to all Stabæk supporters, especially Richard, for this
wonderful day!
And special thanks to all players for this great win!
|