| Offener Brief von
Thomas Meggle an die Fans des FC St. Pauli
Liebe Fans,
mit schwerem Herzen habe ich jetzt eine Entscheidung getroffen. Ich
werde den Verein und Euch zum 30.06. gen Rostock verlassen.
Mir ist es nicht leicht gefallen, vom FC St. Pauli
und seinen Fans weg zu gehen. Letztlich habe ich mich nach langen Gesprächen
mit Hansa-Trainer Armin Veh, den ich seit meiner Jugend beim FC Augsburg
nunmehr seit zehn Jahren kenne, für diesen Wechsel entschieden.
Ausschlaggebend dafür ist die sportliche Perspektive, nächstes
Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der 1. Bundesliga
spielen zu können.
Beim FC St. Pauli liegen meine sportlichen Wurzeln,
meine größten sportlichen Erfolge habe ich am Millerntor
gefeiert.
Ich könnte viele Ereignisse aufführen, die
mich emotional berührt haben. Da war zum einen mein Elfmeter gegen
Kaiserslautern, wo das ganze Stadion You`ll never walk alone
gesungen hat, als ich mir den Ball zurecht gelegt habe. Zum anderen
werde ich den Aufstieg und die Szenen rund um meinen größten
sportlichen Erfolg nie vergessen.
Besonders bedanken möchte ich mich aber bei Euch
für die 1000 guten Gründe, die Ihr mir beim Spiel
gegen Stuttgart überreicht habt und die mir gezeigt haben, warum
ich immer gerne und mit ganzem Herzen für den FC St. Pauli und
für Euch gespielt habe.
Ich war insgesamt fünf Jahre ein Teil dieses
Vereins und werde das auch immer bleiben.
Thomas Meggle
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Weitere Aussichten: schlecht
St. Pauli fürchtet nach dem Abstieg das Beispiel
Unterhaching
Hamburg Man kennt das ja von den Todesanzeigen,
wo aus Quälgeistern plötzlich liebenswerte Menschen werden
oder aus Taugenichtsen geschätzte Weggefährten. So ähnlich
ergeht es jetzt dem FC St. Pauli, der nach dem 0:4 im Hamburger Derby
gegen den HSV endgültig Abschied nehmen muss von der Ersten Liga.
Traurig stimmte dies Bernd Wehmeyer, den Teammanager des
noblen Nachbarn. Solche Stimmung, sagte HSV-Sportchef Holger
Hieronymus wehmütig, bekommt man nur beim Derby gegen St.
Pauli. HSV-Stürmer Erik Meijer bekannte sogar Mitleid
und beschwor die Romantik des Fußballs: 54 000 singen ,Youll
never walk alone mehr brauchst du nicht. Ja, beim
Hamburger SV wird man sie vermissen, die widerborstige, schmuddelige
Opposition vom Millerntor nicht nur, weil man mit zwei Siegen
seine Saisonbilanz und das Ego ein wenig aufmotzen konnte. Auch der
ansonsten auf cooles Showbiz getrimmten Liga wird etwas fehlen ohne
Totenkopf-Flaggen, handbetriebene Anzeigetafel und Profis, die mit den
Fans ihr Bier trinken.
Wie aber geht es weiter mit St. Pauli? Darf man auf
ein baldiges fünftes Bundesliga-Gastspiel der Außenseiter
vom Hamburger Kiez hoffen, die über mehr Charme als Geld verfügen?
So richtig gut sind die weiteren Aussichten nicht. Präsident Reenald
Koch hat angekündigt, was Vorrang hat: Unser Stadionprojekt
geht vor Investitionen in die Mannschaft. Nur mit einem erneuerten
Millerntor könne St. Pauli sich im Profifußball halten. Fest
steht, dass der Kader reduziert und vor allem durch eigenen Nachwuchs
ergänzt wird. Trainer Dietmar Demuth sagt sorgenvoll: Wir
müssen höllisch aufpassen, dass es uns nicht ergeht wie Unterhaching.
Der Bundesliga-Absteiger aus der Münchner Diaspora wollte auch
sofort zurück ins Oberhaus und findet sich wohl, wie zuvor der
SSV Ulm, bald in der Regionalliga wieder. Zudem endet die Schonzeit
für Demuth. Interne Kritiker haben taktische Fehler des Trainers
und personelle Missgriffe wie Marcao oder Cenci genau registriert.
Ein paar Spieler wird St. Pauli, wie es aussieht,
schmerzlich vermissen: Den im Stadtteil aufgewachsenen zweikampfstarken
Zlatan Bajramovic, der zum möglichen Mitabsteiger SC Freiburg wechselt;
Stürmer Marcel Rath (Ehrentitel Kampfschwein), den
es zurück nach Cottbus zieht; vielleicht auch Nico Patschinski
(Rostock?). Und natürlich Thomas Meggle, den traurigen Anti- Helden
des Derbys, der bis zum 30. April entscheiden muss, ob er ein lukratives
Angebot aus der 1. Liga (unter anderen vom HSV) annimmt. Vor dem Spiel
hatte er gegen den möglichen neuen Arbeitgeber gestichelt (Wir
werden sie in der ganzen Stadt lächerlich machen), was womöglich
nicht sehr klug war, aber seine tiefe Verbundenheit mit dem kleinen
Klub dokumentieren sollte; anschließend war er mit einem Elfmeter
am überragenden HSV-Keeper Martin Pieckenhagen gescheitert und
hatte damit die 1:0-Führung verpasst. Und hinterher sprach er mit
stockender Stimme über eigene Schuldgefühle und
Scham und entschuldigte sich bei allen St. Paulianern
für den Fehlschuss. Es sind - trotz aller Schwächen - solche
Spieler, die der Klub brauchte, um mit dem nötigen Herzblut einen
neuen Anlauf zu nehmen.
Weniger wird man dagegen am Millerntor den künftigen
HSV-Profi Christian Rahn vermissen. Der U21-Nationalspieler hob zwar
das spielerische Niveau, verkörpert aber jenen Typ Jungprofi, dem
Gefühle eher suspekt sind. Kühl sagte er nach dem Derby, man
habe gesehen, dass St. Pauli in der 1. Liga nichts zu suchen hat.
Das ist natürlich die sportliche Wahrheit. Aber St. Pauli wäre
nicht St. Pauli, hätten die Fans nicht längst einen neuen
Schlager der Hoffnung: Eine neue Liga ist wie ein neues Leben.
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Unsterblich in Braunweiß
St. Paulis Fans versuchen alles, um Thomas Meggle
zu halten
Manchmal demonstriert der Fußballprofi Thomas
Meggle, 27, seine Verbundenheit mit dem FC St. Pauli, indem er einen
Pullover trägt, der so schaurig-schön braun ist wie die Vereinsfarbe.
Oft plaudert er mit den Fans so vertraut, als seien es alte Kumpels
aus dem heimatlichen Starnberg, weshalb sie ihn einen feinen Kerl
nennen; manchmal kämpft er sogar mit den Tränen, weil ihn
die Liebe der Menschen am Millerntor so sehr rührt. Wie vor dem
Spiel gegen Freiburg, an dem er wegen seiner Rotsperre nicht teilnehmen
durfte und die Fans, als der Stadionsprecher die Aufstellung durchgab,
elfmal den Namen Meggle riefen.
So viel Gefühl bei einem Profi hat bei den Fans
eine Hoffnung geweckt, die eigentlich nicht in diese Zeit passt. Die
sentimentale Hoffnung, hier könne ein Spieler der Söldnergeneration
die Gesetze des Fußballmarktes ignorieren, seine weitere Karriere
nicht von der einzig gültigen Währung, dem Geld, bestimmen
lassen und deshalb auch bei einem Abstieg bleiben. Am morgigen Samstag,
vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, werden sie den besten
Mittelfeldspieler, der in den letzten Jahren unseren Rasen betreten
hat (Fan Marcus) deshalb ein weiteres Mal in seelische Turbulenzen
treiben. Dann wollen ihm die Initiatoren der Aktion pro meggle
ohne meggle stirbt das mittelfeld E-Mails, Briefe und andere
Botschaften mit 1000 guten Gründen überreichen,
die ihn davon überzeugen sollen, dass es sich lohnt, trotz anderer,
viel lukrativerer Angebote der Erstligakonkurrenz, bei unserem
kleinen, kämpferischen Verein zu bleiben und mit uns für ein
anderes Verständnis von Fußball zu kämpfen.
Einer wird ihm eine Freifahrt auf meiner Harley
offerieren, ein anderer will für die Dauer eines neuen Vertrages
die monatlichen Essensmarken meines Arbeitgebers brüderlich
mit Dir teilen, damit Du auch zukünftig wenigstens zweimal am Tach
warm essen kannst. Dazu fehlt in Anspielung auf das schon
jetzt legendäre 2:1 gegen den großen FC Bayern nicht
der Hinweis, dass der Mensch mehr als Weltpokalsieger-Besieger
unmöglich werden kann und die eindringliche Mahnung: Unsterblich
wirst Du nur bei uns in Braunweiß. Und falls sich Meggle
für die Unsterblichkeit entscheiden sollte, verheißt ihm
ein weiterer Romantiker, könne er sich umgehend bei den St.
Pauli- Fußballgöttern wie Thomforde, Otti, Zander,
Stani, Frosch, Dzur, Miller, Demuth, Manzi oder Trulsen einreihen.
Manche haben sich auch Slogans ausgedacht, etwa St. Pauli ohne
Meggle ist wie Steak ohne Kräuterbutter. Und wieder andere
möchten ihn mit I-love-Meggi-Fotos becircen.
Das alles klingt außerordentlich verlockend.
Das Problem ist nur, dass der Profi in Thomas Meggle in etwa so stark
ist wie der Mensch und deshalb eine Klausel im Vertrag ausgehandelt
hat, nach der er diesen bis zum 30. April vorzeitig kündigen und
im Sommer für eine festgeschriebene Ablöse von 475 000 Euro
gehen kann. Zu befürchten ist also, dass das moderne Märchen
vom Millerntor mit dem Titel Geld oder Liebe doch (fast)
so traurig ausgeht wie eine ganz banale Geschichte: Meggle wird sterblich
bleiben, ein paar ehrliche Tränen vergießen und weiterziehen.
Dorthin, wo vielleicht nicht das Glück, dafür aber viel Geld
ist.
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Heimspiele sind sexy
Hormon macht die Kicker bärenstark
London - Sieg oder Niederlageim Fussball - es ist nicht mehr nur eine
Frage von Taktik oder Aufstellung, sondern der Testosteron-Konzentration.
Klingt komisch, ist aber wissenschaftlich erwiesen: Der Heimvorteil
bei Fussballspielen geht auf dieses Hormon zurück, das die Kicker
ihr eigenes Terrritorium verteidigen lässt. " Wie Tiere, die
ihr heimatliches Revier bewachen und beschützen, sind Fussballer
Energie geladener, aktiver und selbstsicherer, wenn sie von auswärtigen
Gruppen bedroht werden", sagt der Evolutionspsychologe Nick Neave
von der Universität Newcastle.
Er nahm Speichelproben von Kickern uns stellte fest, dass die Konzentration
des männlichen Sexualhormons vor Heimspielen deutlich höher
war als vor Partien in der Fremde. Der normale Testosteron-Gehalt liegt
bei 100 Picogramm pro Milliliter. eine Stunde vor Beginn eines Heimspiels
stieg er durchschnittlich auf 150 an, vor Auswärtsspielen nur auf
120. Dies erklärt auch, warum etwa Manchester United in der letzten
Saison 63 Prozent seiner Soiege zu Hause erzielt habe.
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