Interviews/Spielberichte


10.09.-12.09.04 Training und Spiel Lokeren - LaLouviere 1:0 (1:0)

Unser Belgien-Fussball-WE haben wir eingeläutet mit dem Besuch des freitäglichen Trainings. Bei bestem Wetter liefen die Jungs alle fröhlich und sehr heiter gestimmt über den Platz. Ganz besonders der Trainer Franky Van Der Elst verbreitete gute Laune und relaxte Stimmung („I have a very good day today!“). In 4 Sprachen (englisch, flämisch, französisch und etwas spanisch) dirgierte er seine Jugs und lobte jeglichen Einsatz und gelungene Einzelaktionen. Offenbar schien er mit dieser Art zumindest bei Marel genau den richtigen Ton getroffen zu haben, denn der arbeitete so hart und angestrengt wie lange nicht mehr, und vor allem war er mit Eifer und grossem Selbstvertraunen dabei.

Nach einem lockeren Hin-und Her mit dem Ball , wobei laut die Ballberührungen mitgezählt wurden (und wir 1-15 auf französisch und flämsich lernten), ging es an das Gruppentraining: Der Torwart bekam „Einzelunterricht“ im eigenen Tor, die Verteidigung und das defensive Mittelfeld übten schnelle Ballannahme und –abgabe und gezieltes Zuspielen, während die Offensivspieler und Stürmer Flanken, Torschüsse und Kopfbälle probierten. Als sehr guter Flankengeber erwies sich hier Neuzugang Marc Hendrikx (kam von Anderlecht). Auch das Zusammenspiel von Marel und den beiden brasilianischen Stürmern Tailson und Ademilson war sehr viel besser geworden. Und mit Freude beobachtete ich, dass in unserem Lieblingsisländer immer noch ein gewisser Torriecher steckte und die Fähigkeit, sich im Torbereich fast immer gut und richtig zu positionieren. Am allerschönsten anzusehen war aber, dass Marel sich endlich wieder traute zu schießen, zu köpfen, in die Mitte zu gehen und Bälle zu fordern. Selbst seine Vorlagen an andere Spieler gelangen sehr viel besser als früher. Ja, so kann er weiter machen, dann klappt das auch bei Lokeren mit Toren J

Die beiden anderen Isländer konnte ich nicht so genau beobachten, aber zumindest Arnar Viðarsson war mit Spass dabei, und man hörte ihn ab und an laut mitzählen oder kichern. Rúnar Kristinsson war, da immer noch verletzt, nur als Jogger dabei, und lief einsam einige Runden, redete mit anwesenden Fans und Zuschauern und verschwand dann zum Physio.
Nach Abschluss des Trainings gab es für uns noch ein paar nette Worte mit den Isländern und dem Trainer (der offenbar ganz enttäuscht war, dass wir keine Isländer waren, obwohl wir doch für die Isländer gekommen waren). Zufrieden und voller Vorfreude auf das Spiel fuhren wir nach Hause.


12.09.04 Lokeren – LaLouviere 1:0 (1:0)
Pünktlich und gut gelaunt, wenn auch leicht verkatert, kamen wir am Sonntag in Lokeren an. Alle Isländer bis auf den verletzten Rúnar waren aufgestellt, wir hatten unseren Platz in Vak D2 eingenommen, und nun warteten wir auf eine spannende Partie . Kaum angepfiffen, ging es die ersten 15 Minuten gut zur Sache, Marel zeigte sich spielfreudig und von seiner besten Seite. Erstaunlicherweise bekam er nicht nur Bälle zugespielt, er schaffte es auch, sie gezielt vorwärts zu geben und dann sich selber weiter vorne wieder anzubieten. Doch ein Tor war ihm nicht gegönnt.

Die allgmeine Phase der Aktivität ließ nach den ersten 15 Minuten plötzlich stark nach, Lokeren und LaLouviere bewegten sich nur noch im Schneckentempo, und gab es ansatzweise gute Aktionen zu erkennen, pfiff der Schiri meist sofort ab. Trotzdem gelang Lokeren in der 17. Minute der Führungstreffer durch Tailson, nach einer äußerst gelungenen Vorlage von Marel. Danach ging über die linke Seite und Marel jedoch so gut wie gar nichts mehr. Lokeren spielte fortan nur noch durch die Mitte oder über rechts, was zur Folge hatte, das LaLouviere (ebenso apathisch am Agieren wie die Gastgeber) jeden Angriff (oder das was ein Angriff zu sein versuchte) im Keim schon erstickte.

Andersherum sah die Sache auch nicht besser aus, LaLouviere spielte genauso lahm und einfallslos wie Lokeren, und bis zur 90. Minute gab es ein unendliches, ermüdendes und todlangweiliges Gekicke im Mittelfeld. Schlaftabletten spielten gegen Schnarchnasen. Der Lokeren Stürmer Ademilson hatte mindestens 5 große Chancen, schaffte es aber immer wieder fast freistehend vorm Tor den Ball genau auf den Torwart zu schießen, bzw. so lange herum zu dribbeln, bis er 3 Verteidiger um sich hatte, und die Chance nicht mehr nutzen konnte. Warum Ademilson nicht an den besser positionierten und mehrfach wild winkenden Marel abgeben wollte, bleibt (auf jeden Fall mir) ein Rätsel…

Die einzigen Augenblicke, in denen Bewegung und Emotion ins Spiel kam, waren Szenen, die nicht wirklich zum Fussball gehören. Erst gab es beinahe eine Massenprügelei, nachdem der Schiri einen LaLouviere Spieler wegen eines Fouls mit Rot vom Platz verwiesen hatte, dieser aber nicht gehen wollte und weiter gegen die Lokerenspieler wütete, und letztendlich mehrere Lokeren- und LaLouvierespieler miteinander rangelten und sich schubsten, dann gab es beim Puiblikum hitzige Emotionen, als der Trainer Marel nach 65 Minuten auswechselte – keiner im Publikum verstand diesen Wechsel, war Marel doch einer der wenigen, die immer mal wieder probierten vorne etwas zu reißen. Nachdem Marel als einziger „Großer“ vorne fehlte, und Van Der Elst hinten mit einem zusätzlichen Mittelfeldmann noch weiter dicht machen wollte, funktionierte gar nichts mehr. 10 Minuten vor Schluss entschied sich der Lokeren Trainer dann doch dazu, Ademilson gegen Bance, einen grossgewachsenen Stürmer, auszuwechseln, was aber wenig veränderte, und bei mir die Frage aufwarf, warum denn Marel überhaupt raus musste.

Als der Schiri dann endlich abpfiff, waren wir alle erleichtert, endlich hatte dieser Grottenkick ein Ende. Nicht mal über den Sieg konnten wir uns richtig freuen, denn so lahm und lieblos, wie er eingefahren wurde, gab es nichts zu feiern. Schön aber, dass wenigstens der Kapitän, Arnar Viðarssson, noch zum Sich-Bed anken und Jubeln in die Fankurve kam.


Maren, September 2004