13.04.02 1.FC Köln - St. Pauli 2:1

Die Hinfahrt war sehr entspannt, sehr gemütlich und angenehm (kaum Alkoholleichen, kein Stress mit irgendwelchen Idioten). Ein bisschen Party im Partywagen und überall bange Vorfreude und Spannung aufs Spiel.
Pünktliche Ankunft in Köln Deutz, von dort direkt mit einer Sonder-Strassenbahn zum Stadion ohne grosse Probleme und in freundlicher Begleitung Kölner Fans. Ins Stadion gings erst nach einer peniblen (bis in die Socken und wer weiss wohin) Kontrolle, und einer zweiten Kartenkontrolle direkt vorm Block.

Im Stadion standen wir genau neben der Baustelle. Block 35. Einigermassen gute Sicht aufs Feld und vor allem von Anfang an gute Stimmung. Etwas merkwürdig und gar nicht zu empfehlen das Light Bier *würg*.

Anpfiff. Pauli sieht ganz schnell ganz alt aus neben den heissen Kölnern, die kampfstark und schnell einen Angriff nach dem nächsten starten. Zack, 7. Minute Schuss von Lottner, Fehler von Henzler, und 0:1. Stille und Entgeisterung im Pauli Block, Jubel bei den Kölnern. Unser einer Kölner Freund (genauso aber auch Pauli Fan) kann sich ein lautstarkes "Toooor" nicht verkneifen, und wird darauhin erstmal von allen umstehenden mit einem bösen Blick gestraft. Der Rest der Halbzeit dümpelt vor sich hin, Pauli kopf -und torlos, unorganisiert und irgendwie gar nicht als Team auf dem Rasen. Viele Kölner Chancen, die (glücklicherweise) nicht umgesetzt werden können, meinen Puls aber mächtig in die Höhe treiben.

Zweite Halbzeit: Kaum angepfiffen, da schiesst Incemann sein erstes Tor - und ich steh gerade am Getränkestand! Das Tor hörte sich aber toll an ;-) Und mit einmal ist bei den Paulianern und den Fans der Knoten geplatzt, sangesfreudig und lautstark brüllen wir unsere Truppe vorwärts, die Angriffe klappen, aufeinmal steht da wieder EIN Team auf dem Rasen, das wütend und heiss auf drei Punkte ist.
Aber der Schiri, der will es wohl nicht, und pfeift fast jeden Pauli Angriff ab sowie die Jungs über die Mittelinie drüber sind. Patsche platzt daraufhin fast vor Wut, kann es sich aber verkneifen, den Ball wild in die Gegend zu feuern und so eine Karte zu riskieren. Statt dessen springt er vor Wut auf und ab und lässt den Ball nur einmal kurz aufspringen. Ich kann seinen Zorn nur zu gut verstehen.
Dann die Chance: Rath allein vorm Kölner Tor, nur ein Kölner Spieler ist noch da, liegt nahe dem einen Torpfosten, und der Keeper. Rath schiesst - voll auf des Keepers Birne! Der Ball prallt ab - wieder schiesst ein Paulianer - zack, rein in den sich gerade aufrappelnden Kölner. Der Ball prallt ab - nochmal wagt ein Paulianer einen Schuss - wieder auf den sich aufrappelnden Kölner! Der Ball prallt nochmal ab - ein letzter Schuss von Pauli, meilenweit übers Tor drüber! NEIN! NEIN! Das kann nicht wahr sein! Dieser Augenblick beschert mir beinah einen Herzinfarkt.
Danach lassen die Paulianer merklich nach, das Spiel wird träge. Kurz vor Schluss dann zeigen die Jungs nochmal ihre Kampfbereitschaft, aber es reicht nicht zu einem weiteren Tor.
Wir werden unruhig, langsam muss doch Abpfiff sein? Nachspielzeit? Wie lange? Der Schiri pfeift den letzten Pauli Angriff, und eigentlich denken alle, das jetzt irgendwie Schluss ist, da starten die Kölner nochmal durch. Konfusion, Orientierungslosigkeit sowohl bei den Fans wie auch auf dem Rasen, unsere Jungs stehen einen Moment da und wissen gar nicht was los ist, und da ist es schon zu spät: Scherz kullert den Ball ins Tor - im gleichen Augenblick ertönt der Abpfiff.

Totale Stille im Pauli Block, absolute Regungslosigkeit bei der Mannschaft, sie stehen da wie erstarrt. Von ganz weit weg hören wir den Jubel der Kölner und etwas später die Ansage des Stadionsprechers: "In der 92. Minute erzielt Matthias Scherz das 2:1, was auch gleich der Endstand ist"

Wir rappeln uns auf, verabschieden unsere Mannschaft mit einem herzlichen Applaus und Gesang. Patsche rennt spontan auf den Fanblock zu, reisst sich das Trikot und sein TShirt vom Leib und wirft es in die Menge. Meggle steht noch auf dem Feld, geht dann langsam aber zielsicher auch auf den Block zu, klettert über die Bande und bleibt dann einen Moment einfach nur vor uns stehen. Guckt ganz komisch, als wenn er gleich anfangen würde zu weinen, aber auch mit einem Hauch von Erleichterung. Zieht sein Trikot aus, wirft es in die Menge und bleibt noch einen Moment stehen. Dreht sich um und geht auf den Rasen zurück Richtung Kabine. Ganz unschlüssig schaut er noch ein paarmal zurück, scheint am liebsten nochmal zu den Fans gehen zu wollen. Als Stani sich dann im Kölner Trikot noch von den Fans verabschiedet, kommt Meggle dann doch auch nochmal zurück.

Danach erstmal nur Leere. Draussen vorm Stadion Schweigen oder ein paar aufgelöste Diskussionen. Wir gehen uns aufwärmen, was essen, dann ab ins "HeimSpiel", eine Kneipe, wo eine Veranstaltung vom Kölner Fanprojekt aus läuft. Es ist heiss, laut und voll, aber nett. Alle Kölner singen lauthals "You`ll Never Walk Alone". Schön, aber ich hätte es lieber siegreich und glücklich mit unseren Fans gebrüllt...
Gegen 22.00 fährt dann unsrer Zug zurück. Überall ist es sehr ruhig, fast alle schlafen wegen Frust oder Alkohol, nur im Partywagen ist einigermassen Stimmung und es wird auch schon wieder gelächelt.
Ein paar Idioten bescheren uns einige Notbremsungen, ein Übeltäter wird auf dem Bahnhof gleich eingesackt. Sowas sind völlig überflüssige Aktionen!
Ankunft in HH ca. 2.00. Jetzt nur noch ins Bett. Mein letzter Gedanke vorm Einschlafen: "Sch*****, wir haben 1:2 verloren."

Und ich glaube, Meggle hat sich jetzt verabschiedet von Pauli.

-
Spielberichte