| 19.04.02 St. Pauli - HSV 0:4, "HeimAuswärtsspiel"
in der AOLA
Unser Heimspiel in der AOLA??? Entgeisterung aller Orten, dann aber
ein kollektives Sich-Fügen bzw. rebellisches "Ich geh nicht
hin!".
Wochen vorher schon hat die Pauli Marketingabteilung hart dran gearbeitet,
dass die blaue Schüssel zu einem braun-weissen Stadion wird. Alle
Werbetafeln/Banden wurden mit Pauli Sponsoren überklebt, alle blauen
Flächen wurden (so gut es ging) braun-weiss beklebt. Die hochmodernen
Videoanzeigen der AOL wurden dazu bestimmt "nur" ein Abbild
der heimischen handbetriebenen Millerntoranzeige zu sein - direkt vom
Millerntor aus wurde die Pauli Anzeigentafel auf die Videoleinwände
in Stellingen projiziert.
Für die Fans gab es ASTRA zu Millerntorpreisen, in den Katakomben
waren die Wände mit Totenköpfen und Pauli Logos geschmückt.
Und auch von den Fans selber ging Initiative aus: Es wurde an einer
riesigen Choreografie gebastelt, die die gesamte Südseite der AOLA
einbeziehen sollte. Wunderkerzen, Flaggen, ein riesiges Hamburg-Wappen-Banner
und dazu eine mehrere Blöcke umfassende Darstellung von Pauli als
Herrscher der Meere (blaue Folie, darauf ein Schiff in Paulifarben)
"Der FC St. Pauli gibt sich die ehre, Herrscher Hamburgs und der
sieben Meere"und ein ca. 25.000 stimmiges "You`ll Never Walk
Alone".
Dann kam der Derby Tag.
Die Anreise versprach schon nichts gutes, über Othmarschen von
Süden her zum Stadion, 15 min. mit der Bahn vom Hauptbahnhof. Ab
Othmarschen sollten uns dann Shuttlebusse direkt zur Schüssel bringen,
was erst nach einer Demo von Pauli Fans zur Öffnung der August
Kirch Strasse erlaubt worden war. Sonst hätten wir gute 1,5 km
noch latschen müssen.
Wieso, drängte sich mir die Frage auf, müssen eigentlich wir
über Othmarschen und mit Bussen anrücken, woes doch unser
Heimspiel ist, währen die HSV-Gäste gemütlich bis Eidelstedt
fahren konnten?
Am Bahnhof Othmarschen ergab sich dann das befürchtete Bild: Massen
von mehreren Hundert Fans warteten auf die Busse
Nach 15 Minuten
Rumstehen und Abchecken der Lage war uns klar: Mit dem Bus kommen wir
nicht rechtzeitig in der AOLA an!
Kurz nach 19.00 Uhr machten wir uns im Eilschritt auf den Weg. Es regnete
und wir waren nicht wirklich froh über diesen Stressmarsch. Die
Zeilen "Walk On, Walk On" haben seit dem eine ganz neue Bedeutung
bekommen.
19.45 erreichten wir dann die Schüssel, von aussen kalt, grau und
hässlich, nur Beton. Ab zu unserem Platz, Klo und Bier wurden auf
später vertagt, bloss nicht zu spät zu "Hells Bells"
sein! Es ging drei Treppen rauf, dann waren wir am Eingang zu 11 c,
da ging es dann im Rang noch mal zwei Treppen rauf, bis wir fast unter
dem Dach unseren Platz gefunden hatten. Was ein Mist! Die Rückseite
der Videoleinwand direkt vor unserer Nase, kein Blick auf die Leinwand
auf der Nordseite, und die gesamte Choreografie lief in den Blöcken
unter uns ab
nix gesehen. Der Platz schien meilenweit weg zu sein,
die Spieler sahen aus wie winzige Figürchen, bei denen man schon
nicht mal mehr die Rückennummer richtig erkennen konnte. So langsam
wurde mir klar, warum beim HSV alles so unterkühlt und wenig herzlich
ist: Wer in so einer Schüssel sitzt, der kann ja gar keine Bindung
an die Spieler, an sein Team wirklich haben, der sieht ja gar nicht,
dass das echte Menschen da auf dem Rasen sind. Und die nicht gerade
angenehme Gestaltung der Schüssel führt auch nicht unbedingt
dazu, dass der Fan an sich freundlich und begeistert reagiert, sondern
eher aggressiv.
Kurz vor 20.00: Hells Bells ertönt, die Mannschaften laufen auf,
im Pauliblock sitzt keiner mehr, alles jubelt und singt. Der Sound ist
fantastisch!
Anpfiff. Pauli ist heiss und schnell, aber der HSV lässt sich nicht
alles gefallen. Es wird gekämpft, in der 12. min gibt es einen
Foulelfmeter für Pauli, nachdem Inceman im Strafraum von Albertz
gelegt wurde. Banges Warten
wer schiesst?
13. min. Meggle läuft an, schiesst - und Pieckenhagen hält!!!
Sch*****!!!
Danach gibt es in der ersten Halbzeit keine wirklich aufregende Situation
mehr, Pauli verliert mehr und mehr an Boden, trifft das Tor einfach
nicht, macht Fehler in der Abwehr, und es kommt wie es kommen muss:
Der HSV trifft inder 19. min, durch Henzlers Fehler gibt es das 0:1.
In der 45. min trifft der HSV zum zweiten Mal. Abpfiff, Pause. Bier
holen? Fehlanzeige. Die Schlangen sind so lang, da würde man ja
glatt die zweite Halbzeit verpassen.
Zweite Halbzeit. Pauli hat jeglichen Mumm verloren, dümpelt angeschlagen
übers Feld, nichts klappt mehr. 49. min das 0:3. Es wird langweilig.
Und es wird einem langsam egal, was noch alles passiert in dem Spiel.
Die Mannschaft mag nicht mehr kämpfen, die Fans mögen nicht
mehr singen. 58. min dann das 0:4. Aber komischerweise, keine Trauer,
kein Frust bei den Fans, nur Entsetzen über unsere Jungs, die sich
so gehen lassen. Gegen Ende des Spiels flammt noch einmal ein klein
bischen etwas auf in den Paulianern, und die Fans unterstüzen sie
mit einem imposanten Sound, aber es gibt nichtmal ein Gnadentor.
Abpfiff. Der HSV führt an der Nordseite Freudentänze auf,
die Braun-Weissen schleichen wie getretene Hunde vom Platz. Und alle
Paulianer (und sogar einige HSVer) brüllen "You`ll Never Walk
Alone" , auch dann noch, als die Mannschaften schon längst
verschwunden sind.
Es hört sich nichtmal traurig an, eher erleichtert und froh, denn
nun können wir ganz relaxt die letzten beiden Spiele schauen und
nächste Saison am Millerntor spielen. In die Schüssel wäre
ich auch nicht nochmal gegangen!
Die Abfahrt klappte wesentlich besser als die Hinfahrt, aber wir sind
auch mit die letzten die das Stadion verlassen, nachdem wir noch die
Pressekonferenz mit einem bald in Tränen aufgelösten Didid
Demuth sahen
Für unser "HeimAuswärtsspiel" waren wir übrigens
insgesamt 7 Stunden unterwegs.
|