27.04.2002 Werder Bremen - St. Pauli 3:2

Unsere letzte Auswärtsfahrt begann sehr hektisch: Morgens um 9.30 nach Heimfeld zu einem Geburtstagsbrunch. Nach Brötchen, Bier und Kaffee haben wir dann beinah die S-Bahn nach Harburg verpasst, wo wir in den Regionalzug nach Bremen einsteigen wollten. Grosses Gerenne mit unserem (grün-weissen!) Picknickkoffer zum Zug. Mittendrin die nächste Hiobsbotschaft: Unser 5. Mann steht im Stau, weiss nicht, ob er es rechtzeitig bis Harburg schafft…
Wir springen in den Zug, der auch sofort losfährt, gehen durch die Abteile, die gut mit Pauli Fans besetzt sind, da klingelt das Handy: Unsre Nummer 5 ist im Zug, macht sich auf den Weg zu uns. Freude! Es gibt erstmal ein Bier und dann kehrt eine gewisse Gemütlichkeit ein. Nach kurzen 1,5 h Fahrt sind wir schon da. Im Bremer Bahnhof herrrscht eine fantastsiche Atmposphäre, es gibt einen minutenlangen kollektiven "Sankt Pauli, Sankt Pauli" Chor, gefolgt von einem "You`ll Never Walk Alone".
Wahnsinns-Sound!

Leider spielt nur das Wetter nicht mehr mit, es hagelt und regnet in Strömen. Wir bleiben noch im Bahnhof, leeren nach und nach unseren Picknickkoffer, und dann mache ich mich mit Ingo auf den Weg, ein paar Bier für den Weg zum Stadion zu besorgen. Tja, die Innenstadt von Bremen scheint alkoholfrei zu sein… Kein Kiosk, kein Dönerladen, kein Imbiss hat Bier im Angebot. Der aufgesuchte Supermarkt hat schon zu (um 14.00 ???), und wir gehen ziemlich verwundert zurück zu unseren Mitfahrern. Kurzerhand kaufen wir uns jeder noch 1 (viel zu teres) Bier im Bahnhof, dann geht's mit der Strassenbahn Richtung Weserstadion. Auf dem Weg zum Eingang fängt es wieder an wie aus Eimern zu giessen, und der Vorplatz vor dem Stadion ähnelt langsam einer Schlammgrube. Am Ende einer ellenlangen Schlange stellen wir uns an, kommen gerade noch rechtzeitig zu unseren Plätzen, da geht's auch schon los.

Und eh wir uns versehen: TOR! 5. min und ein Tor für Pauli! Das ging so schnell, dass ich gar nicht wusste, wer es geschossen hatte. Der nette Mann hinter mir hat auch keine Ahnung, er ist Bremer, aber so kommen wir ins Gespräch und vor leuter Reden verpasse ich beinah das Meggle Tor! Wir stehen da und staunen! Mal eben so einfach geschossen und drin ist er!
Meggle selber ist ganz erstaunt, er jubelt gar nicht richtig los. Ganz fassungslos mach ich mich auf zum Bierstand (supernett, sehr schnelle Bedienung), das muss begossen werden!
2:0 für unsere Jungs? Ne ne, das glaub ich nicht, schnell wird die Anzeigentafel fotografiert. Den Rest der ersten Halbzeit vertrödeln wir mit Gespärchen, denn aufregend ist es eigentlich nicht mehr. Die Bremer Security hat inzwischen auch aufgegeben, die paar Pauli Fans, die mit uns noch vorne in der Westkurve stehen, zum Sitzen zu bewegen ;-)

Nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit sieht die Welt dann schon wieder anders aus: Bremen zieht nach, Pauli schlafft ab. Immer das gleiche, die Führung hat unsere Jungs leichtsinnig werden lassen und zu locker. Auf dem Weg zum Klo höre ich nur "Frings" und denke, "aha, das war das erste Bremer Tor". Kurz danach höre ich ein freudiges Raunen, dann ein Jubeln, "aha, Tor Nummer zwei". Ich habe keine Eile zurückzugehen. Nürnberg führt 1:0, Köln spielt gut gegen Freiburg, es nützt alles nix mehr. Die letzten 25 Minuten sind auch nicht mehr aufregend, irgendwie ist die Luft raus, jeder denkt wohl, "ach, lass noch ein Tor fallen, egal für wen, dann ist es gut". Und das Flehen wird erhört - Torsten Frings köpft das dritte Bremer Tor rein in der 78. min. Das wars, die letzten Minuten vergehen im Fluge. Die Pauli Fans wirken alle nicht traurig, sondern sehr erleichtert und relaxt. Wir singen noch ein bisschen, die Mannschaft bedankt sich artig bei uns, und dann sind alle weg.

Eilig wird auf dem Rasen alles für die Party vorbereitet, die Bremer stehen vor den Toren Schlange, warten, dass sie endlich auf den Platz dürfen, da werden schliesslich ein paar Bremer Spieler verabschiedet. Wir lassen erstmal den Tross vorbei, gehen dann gemütlich runter. Beim Westkurven-Tor wird Rasen verkauft, aber wir haben uns ein anderes Stück ausgesucht: Den Flecken, von dem Meggle das Tor schoss! So ungefähr haben wir uns die Stelle merken können, und nun stechen wir ein Fitzelchen aus. Das gute Stück verschwindet in Ingos Tasche, dann geht's zum Bierstand. Hmm, die Bremer können nicht so wirklich feiern, zwei Getränkestände für soooo viele Leute??? Wir treffen ein paar Bekannte, stellen uns am Bierstand an. Für 1 Euro gibt es ein Bier, dass sich absolut mit seinen rheinsichen Brüdern messen kann, zumindest was die Grösse angeht: 0,2 l… kaum da, schon weg… Um 20.00 wird alles dicht gemacht, wir "dürfen" gehen. Schnell zum Zug, dann ab nach Hamburg. Das gute Grün bekommt einen Ehrenplatz und wird nochmal ein Eckchen kleiner, da wir einem anderen begeisterten Fan etwas abegeben. Gegen 23.00 Uhr sind wir wieder zu Hause, nass, verschlammt, hungrig und ziemlich müde.

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